Wüstenstrom

Desertec-Stiftung steigt aus Industrie-Initiative aus

01.07.13 | Redakteur: Stéphane Itasse

Wohin steuert das Wüstenstromprojekt Desertec? Nach der Trennung von Stiftung und Industrie-Initiative ist die weitere Route unklar.
Wohin steuert das Wüstenstromprojekt Desertec? Nach der Trennung von Stiftung und Industrie-Initiative ist die weitere Route unklar. (Bild: Dii)

Der Krach um das Wüstenstromprojekt Desertec eskaliert. Jetzt hat die gemeinnützige Desertec-Foundation ihren Ausstieg aus der Desertec Industrie-Initiative Dii bekannt gegeben.

Diesen Schritt beschlossen Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig auf ihrer außerordentlichen Sitzung am 27. Juni 2013, wie die Desertec-Foundation am Montag mitteilt. Die Dii GmbH wurde 2009 von überwiegend deutschen Unternehmen mit der Desertec-Foundation gegründet, um die Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Wüstenstromprojekts Desertec in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten zu schaffen.

Desertec-Foundation sieht unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten mit Dii

Mit diesem Schritt zieht die gemeinnützige Stiftung, die Idee- und Namensgeberin des Desertec-Konzeptes ist, nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus den unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten bezüglich der zukünftigen Strategie, den Aufgaben und der dafür notwendigen Kommunikation sowie nicht zuletzt des Führungsstils der Dii-Spitze. Die Desertec-Foundation wolle mit diesem Schritt auch vermeiden, unverschuldet in den Sog der negativen Berichterstattung über die Führungskrise und Orientierungslosigkeit des Industriekonsortiums gezogen zu werden.

„Grund für unseren Austritt waren vor allem die in der Öffentlichkeit ausgetragenen Streitigkeiten der Dii-Führung, die nichts unter dem Namen Desertec zu suchen haben“, sagte Dr. Thiemo Gropp, Vorstandsmitglied der Desertec-Foundation, auf Anfrage unserer Redaktion. Ein Beispiel sei die Diskussion um den Stromexport von Nordafrika nach Europa gewesen, den Dii zeitweise abgelehnt, dann aber wieder befürwortet hatte. Der Führungsstreit habe bereits zu erheblichen Irritationen bei den Partnern der Desertec-Foundation geführt und zerstöre das Vertrauen und den Ruf in das Konzept von Desertec. Dies möchte die Stiftung verhindern.

Desertec-Stiftung sieht sich als Leidtragende der Dii-Streitigkeiten

„Wir sind als Stiftung sekundär der Leidtragende“, erläuterte Gropp weiter, „auch wir als Stiftung haben mit unseren Partnern Diskussionen um Vorgänge bei der Dii, auf die wir aber keinen Einfluss haben.“

Die Desertec-Foundation betont in ihrer Mitteilung ihr Verständnis für die Herausforderungen, mit denen das Industriekonsortium zu kämpfen hat. „Es war uns immer klar, dass die Umsetzung der Idee, in den Wüsten dieser Erde Strom zu produzieren, kein leichtes Unterfangen wird und mit extremen Herausforderungen verbunden ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dii haben Enormes für die globale Energiewende geleistet. Nach diskussionsreichen Monaten müssen wir aber leider feststellen, dass es unsere Aufgabe ist, die Unabhängigkeit der Desertec-Foundation nicht zu gefährden. Deshalb werden Dii und die Stiftung getrennte Wege gehen, was zukünftige Zusammenarbeit nicht ausschließt“, sagte Gropp. Voraussetzung sei jedoch, dass die Dii Ordnung bei sich schaffe und es eine klare Abmachung über Konzept und Rahmenbedingungen gebe.

Eine Stellungnahme der Dii GmbH war auf Anfrage unserer Redaktion bisher nicht zu erhalten.

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