29.11.11 | Autor / Redakteur: Stefan Karl / Jürgen Schreier
Die Alte Mühle in Weichs an der Glonn steht exemplarisch für so manches alte Wasserkraftwerk: Nach jahrzehntelangem Mauerblümchendasein hat der Fokus auf erneuerbare Energien das marode Anwesen aus seinem Dornröschenschlaf erweckt. Seit dem Jahr 2003 ist in das denkmalgeschützte Anwesen viel Zeit, Geld und Leidenschaft investiert worden. Der Lohn: Umweltfreundlicher Strom für bis zu 100 Haushalte, eine erhebliche Verbesserung der Hochwasserlage und nicht zuletzt: glückliche Fische.
Ein Gebäude, das in seinen Grundmauern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts datiert und dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert reicht, scheint nicht unmittelbar als Prototyp für die Nutzung Erneuerbarer Energien zu stehen. Das stolze Alter hatte dementsprechend seine Spuren und teils tiefe Narben an der Bausubstanz der Alte Mühlen in Weichs an der Glonn hinterlassen, verstärkt durch eine nicht immer sachgemäße Wartung durch frühere Besitzer.
Die veraltete Technik trug ebenfalls nicht dazu bei, die Verwirklichung der Vision eines zeitgemäßen Wasserkraftwerks realisierbar erscheinen zu lassen. Den Turbinen war ihr Baujahr 1921 bereits von weitem anzusehen, sie waren verschlammt und standen schon seit Monaten still, so dass der Generator keinen Strom lieferte. Verrostete Einlaufgitter, verschlammte Turbinenzuflüsse und verrottete Schützenfelder ergaben ein trauriges Bild.
Nach dem letzten Eigentümerwechsel erfolgte immerhin wieder eine Inbetriebnahme der vorhandenen alten Technik, die Stromausbeute war jedoch relativ gering: Durchschnittlich 16 kW lieferte das System noch, das nach dem ersten Weltkrieg in Betrieb gegangen war.
Die Modernisierung des Turbinenhauses im Jahr 2008 war der entscheidende Schritt hin zu einem modernen Kraftwerk: Eine neue Kaplan-Rohrturbine und ein neuer Generator waren die zentralen mechanischen Komponenten. Der Turbinentyp ist eine Weiterentwicklung der Kaplan-Turbine, die der österreichische Professor Viktor Kaplan bereits im Jahr 1913 entworfen hatte. Das einströmende Wasser trifft axial auf die liegend eingebaute Turbine und treibt so das Laufrad an.
„Der Konstruktionstyp eignet sich besonders für Anlagen mit niedriger Fallhöhe wie bei der Alten Mühle in Weichs“, erläutert Dipl.-Ing. (FH) Thomas Grimmer aus Hohenkammer, der die Anlage geplant hat. Die Turbinenwelle ist mit Laufrad horizontal in Richtung des vom Zufluss kommenden Wassers eingesetzt. Auf diese Weise lassen sich Umlenkverluste vermeiden und die Schluckfähigkeit steigern. Im Ergebnis steht ein verbesserter Wirkungsgrad von 80% und mehr.
Eine ebenfalls 2008 durch Grimmer konzipierte moderne Steuerung sorgt dafür, den Ertrag der neuen Systeme zu maximieren, unter anderem durch die vollautomatische Steuerung des Anstellwinkels der Schaufeln des Laufrads. Geliefert hat die gesamte Anlage die Firma SFL Wasserkraft, die Bauarbeiten führte die aus der Nähe stammende Firma Ziegltrum durch.
Seit dem Turbinentausch versorgt die Wasserkraftanlage der Alten Mühle Weichs etwa 80 bis 100 Haushalte mit umweltfreundlicher Energie. Der Generator erzeugt im Schnitt rund 40 kW, was eine erhebliche Steigerung gegenüber der alten Leistung bedeutet.
Umweltschutz ist jedoch mehr, als emissionsfreien Strom zu produzieren. Aus diesem Grund ging am Anwesen eine Fischtreppe im Jahr 2010 in Betrieb. Das Bauwerk beseitigte ein Nadelöhr auf der Glonn, die freie Fließstrecke beträgt nun mehr als zehn Kilometer.
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